Botox, Dysport, Xeomin sowie neuere Präparate wie Jeuveau, Daxxify, Letybo und andere gehören zu einer großen Gruppe. Ihre Wirkung beruht auf Botulinumtoxin Typ A: Nach der Injektion wird die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel vorübergehend reduziert, sodass sich der ausgewählte Muskel schwächer zusammenzieht. Damit enden die Gemeinsamkeiten nicht — identisch sind diese Präparate jedoch nicht.

Sie unterscheiden sich in Herstellungstechnologie, Reinigung und Stabilisierung, Zusammensetzung des Fertigprodukts, Methode zur Bestimmung der biologischen Aktivität, empfohlenen Dosierungen und zugelassenen Indikationen. Deshalb bedeutet selbst das Wort „Einheit“ bei verschiedenen Toxinen nicht ganz dasselbe.

Die Frage „Was ist stärker — Botox oder Dysport?“ lässt sich daher nicht einfach beantworten. Zunächst muss klar sein, was genau verglichen wird: die Dosis, die Geschwindigkeit des Wirkungseintritts, die Fläche der Muskelabschwächung, der Grad der Einschränkung der Mimik oder die Dauer des Ergebnisses.

Eine Zone, aber unterschiedliche Einheiten

Der Name Botox hat sich im Alltag so stark etabliert, dass damit häufig jede Botulinumtoxin-Behandlung bezeichnet wird. Tatsächlich ist BOTOX Cosmetic ein konkretes Präparat mit onabotulinumtoxinA. Dysport enthält abobotulinumtoxinA, Xeomin — incobotulinumtoxinA. Es gibt zudem weitere Präparate mit Botulinumtoxin Typ A: Jeuveau, Letybo, Daxxify. Sie alle wirken nach einem ähnlichen Prinzip, haben aber jeweils ein eigenes Dosierungssystem. Genau hier entsteht am häufigsten Verwirrung.

Eine Einheit Botulinumtoxin ist weder ein Milliliter noch eine bestimmte Stoffmenge nach Gewicht. Sie beschreibt die biologische Aktivität des Präparats. Milliliter geben dagegen nur das Volumen der injizierten Lösung an.

So können sich in einer Spritze beispielsweise 0,1 ml Botox-Lösung befinden, doch diese 0,1 ml enthalten eine bestimmte Anzahl an Einheiten — je nachdem, in welcher Konzentration das Präparat zubereitet wurde. Die Aussagen „es wurden 20 Einheiten injiziert“ und „es wurden 0,5 ml injiziert“ beschreiben daher unterschiedliche Dinge: Die erste bezieht sich auf die Dosis des Präparats, die zweite auf das Flüssigkeitsvolumen.

Ein weiteres wichtiges Detail: Eine Einheit Botox entspricht nicht einer Einheit Dysport oder eines anderen Botulinumtoxins. Jeder Hersteller bestimmt die biologische Aktivität seines Präparats nach einer eigenen standardisierten Methode. Deshalb gelten die Einheiten verschiedener Präparate offiziell nicht als austauschbar.

Das zeigt sich gut an den Dosierungen für ein und dieselbe Zone — die Glabellafalten zwischen den Augenbrauen.

Präparat Wirkstoff In den USA zugelassene Dosis für die Glabella
BOTOX Cosmetic onabotulinumtoxinA 20 U
Dysport abobotulinumtoxinA 50 U
Xeomin incobotulinumtoxinA 20 U
Jeuveau prabotulinumtoxinA 20 U
Letybo letibotulinumtoxinA 20 U
Daxxify daxibotulinumtoxinA 40 U

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass 50 U Dysport zweieinhalbmal „stärker“ sind als 20 U Botox oder dass 40 U Daxxify die doppelte Präparatmenge darstellen. Es handelt sich lediglich um unterschiedliche Systeme zur Messung der Aktivität. Man kann sich das ungefähr wie verschiedene Temperaturskalen vorstellen: 20 Grad Celsius und 68 Grad Fahrenheit sind unterschiedliche Zahlen, beschreiben aber dieselbe Temperatur. Bei Botulinumtoxinen ist die Analogie nicht vollständig, weil es zwischen den Präparaten keinen einzigen exakten universellen Umrechnungsfaktor gibt. Das Prinzip ist jedoch dasselbe: Die Zahl allein sagt ohne den Namen des Präparats fast nichts aus. Deshalb bedeutet die Situation „früher wurden mir 50 Einheiten gespritzt, jetzt nur noch 20“ nicht, dass die Dosis diesmal geringer war. Wurde früher Dysport verwendet und jetzt Botox oder Xeomin, lassen sich die Zahlen nicht direkt miteinander vergleichen.

In der klinischen Praxis orientieren sich Ärztinnen und Ärzte an den empfohlenen Dosierungen des jeweiligen Präparats und an ihrer eigenen Erfahrung damit. Es gibt praktische Umrechnungsverhältnisse, die beim Wechsel von einem Toxin zu einem anderen helfen können. Für Patientinnen und Patienten sollten sie jedoch nicht zu einem häuslichen „Einheitenrechner“ werden. Viel sinnvoller ist es, sich zu merken: welches Präparat verwendet wurde, in welcher Zone, welche Dosis genau dieses Präparats injiziert wurde, wie das Ergebnis ausfiel und wie lange es anhielt.

Verglichen werden sollte also nicht einfach 20 U gegen 50 U, sondern das Ergebnis einer Behandlung mit dem Ergebnis einer anderen.

Wirkungseintritt, Dauer und „Ausbreitung“: Wo es tatsächlich Unterschiede gibt

Kein Botulinumtoxin-Präparat entspannt den Muskel im Moment der Injektion. Es braucht Zeit, bis das Neurotoxin an die Nervenendigung bindet und die Freisetzung von Acetylcholin stört. In den Fachinformationen wird dieser Prozess unterschiedlich beschrieben. Für BOTOX Cosmetic wird angegeben, dass die anfängliche chemische Denervierung etwa nach 1-2 Tagen einsetzt und ihre Intensität im Laufe der ersten Woche zunimmt. Für Xeomin wird der mediane Beginn des eigentlichen klinischen Effekts mit 2-7 Tagen angegeben. Da es sich um unterschiedliche Bewertungskriterien handelt, wäre es falsch, aus diesen Zahlen eine Rangliste der Schnelligkeit von Botox und Xeomin abzuleiten.

Ähnlich verhält es sich mit Dysport. Ihm wird häufig ein schnellerer Wirkungseintritt zugeschrieben, und in einzelnen Studien wurden in den ersten Tagen tatsächlich Unterschiede zwischen den Präparaten gefunden. In anderen Vergleichen begann wiederum ein anderes Toxin schneller zu wirken. In der Praxis gibt es keine stabile Reihenfolge nach dem Muster „Dysport zuerst, Botox zweitens, Xeomin drittens“. Zone, Dosis, Muskelaktivität und das konkrete Injektionsschema für die jeweilige Person sind wichtiger als ein Unterschied von wenigen Tagen zwischen Durchschnittswerten aus Studien.

Auch bei der Wirkungsdauer funktioniert keine einfache Tabelle nach dem Schema „lang — mittel — kurz“. Bei klassischen Typ-A-Präparaten hält der ästhetische Effekt häufig etwa drei bis vier Monate an. In der Fachinformation von BOTOX Cosmetic werden für die Glabellaregion ungefähr 3-4 Monate genannt, für Xeomin wird eine typische Wirkdauer von 12-16 Wochen beschrieben. Das ist kein festes Enddatum der Wirkung: Die Beweglichkeit der Muskeln kehrt allmählich zurück. Eine Sonderstellung nimmt Daxxify ein. In großen Phase-III-Studien zu Glabellafalten betrug nach Injektion von 40 U die mediane Dauer des Ergebnisses auf dem Niveau „keine oder leichte Falten“ etwa 24 Wochen. Das Präparat kann also tatsächlich diskutiert werden, wenn ein länger anhaltender Effekt gerade in dieser Zone zu den Prioritäten gehört. Diese 24 Wochen sollten jedoch nicht auf die Stirn, „Krähenfüße“ oder andere Bereiche übertragen werden: Das untersuchte und in den USA zugelassene ästhetische Szenario für Daxxify sind Glabellafalten.

Auch hier zeigt sich erneut, warum Einheiten nicht wörtlich gelesen werden dürfen: 40 U Daxxify machen es nicht „doppelt so stark“ wie 20 U Botox.

Mehr darüber, wann Botox zu wirken beginnt und wie lange der Effekt anhält, lesen Sie in einem weiteren Beitrag von Cosmet.info.

Noch mehr Mythen gibt es rund um die „Ausbreitung“ des Präparats. Im Internet findet man häufig nahezu fertige Karten: Dysport breite sich angeblich weiter aus, Botox wirke lokaler, und Xeomin sei am „präzisesten“. Daraus entstehen Empfehlungen, für eine große Stirn das eine Toxin zu wählen und für den Bereich um die Augen ein anderes. Eine solche Einteilung vereinfacht zu stark, was nach der Injektion tatsächlich geschieht. Die lokale Zone der Muskelabschwächung hat zwar eine bestimmte Ausdehnung. Sie wird jedoch von Dosis, Konzentration, Volumen der injizierten Lösung, Anzahl der Injektionspunkte, deren Platzierung und der Muskelanatomie beeinflusst.

Eine kleine Studie zeigte: Wenn dieselbe Menge onabotulinumtoxinA stärker verdünnt und in einem größeren Volumen injiziert wird, kann sich das Präparat über einen größeren Muskelbereich ausbreiten. Bei neun von zehn Teilnehmenden war die Effektzone ungefähr 50% größer. Manchmal ist eine breitere Abschwächungszone erwünscht. In einer anderen anatomischen Region kann jedoch bereits eine geringe unerwünschte Wirkung auf einen benachbarten Muskel die Position der Augenbraue oder des Lids verändern. Die Aufgabe der Ärztin oder des Arztes besteht nicht darin, ein Toxin zu finden, das „nirgendwohin verläuft“, sondern darin, den gewünschten Effekt genau in der geplanten Zone zu erzielen.

Das Risiko für Ptosis oder Asymmetrie lässt sich daher nicht allein durch die Wahl der Marke lösen. Deutlich wichtiger sind die Anatomie des konkreten Gesichts, die Injektionspunkte, Dosis, Volumen und Injektionstechnik.

Xeomin ohne Komplexproteine: Bedeutet das ein geringeres Risiko für „Gewöhnung“?

Xeomin unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung tatsächlich von Botox und Dysport. Bei der Herstellung von incobotulinumtoxinA wird das aktive Neurotoxin von anderen Proteinen des Botulinum-Komplexes getrennt. Das Präparat enthält daher das Neurotoxin mit einer Molekülmasse von 150 kDa ohne sogenannte komplexbildende oder accessory Proteine. Genau deshalb wird Xeomin häufig als „reines Botulinumtoxin“ bezeichnet. Das bedeutet nicht, dass andere Präparate unerwünschte Verunreinigungen enthalten: Es geht um eine unterschiedliche Protein-Zusammensetzung der Fertigprodukte.

Hat dieser Unterschied praktische Bedeutung? Diskutiert wird er vor allem im Zusammenhang mit der Immunogenität — also der Fähigkeit eines Präparats, die Bildung von Antikörpern auszulösen.

Botulinum-Neurotoxin ist ein Protein, und unter bestimmten Bedingungen kann das Immunsystem neutralisierende Antikörper dagegen bilden. Wenn ausreichend viele davon vorhanden sind, bindet das Toxin schlechter an seine Zielstruktur, sodass das Ergebnis der Injektionen schwächer wird oder ausbleibt. Genau das wird im Alltag manchmal als „Gewöhnung an Botox“ bezeichnet, korrekter ist jedoch sekundäre immunologische Unempfindlichkeit oder Resistenz.

Das Fehlen komplexbildender Proteine reduziert die gesamte Proteinbelastung des Präparats. Deshalb gilt incobotulinumtoxinA als Präparat mit sehr niedrigem immunogenem Potenzial. Das ist eine seiner realen pharmazeutischen Besonderheiten. In der ästhetischen Medizin ist der Unterschied jedoch weniger bedeutsam, als Werbung manchmal vermuten lässt: Moderne Botulinumtoxin-Typ-A-Präparate werden hier in relativ niedrigen Dosierungen eingesetzt, und neutralisierende Antikörper entstehen nach kosmetischen Behandlungen selten.

Das heißt: Xeomin kann nicht als Präparat bezeichnet werden, gegen das sich unmöglich eine Resistenz entwickeln kann. Ebenso falsch ist die Annahme, dass Botox oder Dysport nach einigen Jahren Anwendung zwangsläufig „nicht mehr wirken“.

Das Risiko für die Bildung neutralisierender Antikörper steigt vor allem mit der gesamten Toxinmenge, häufigen Wiederholungsinjektionen und hohen Dosierungen. Deshalb ist das Problem der immunologischen Resistenz in der Neurologie und anderen therapeutischen Bereichen deutlich relevanter, wo Botulinumtoxin über Jahre hinweg in Dosen injiziert werden kann, die weit über den ästhetischen Dosierungen liegen.

Für Patientinnen und Patienten in der kosmetologischen Praxis ist eine andere Schlussfolgerung wichtiger: Wenn Botulinumtoxin nach einer weiteren Behandlung plötzlich schwächer wirkt, sind Antikörper bei Weitem nicht die wahrscheinlichste Erklärung. Deutlich häufiger liegt die Ursache in der Dosis, der Auswahl der Muskeln und Injektionspunkte, der Technik, der individuellen mimischen Aktivität oder einfach darin, dass das Ergebnis zu früh beurteilt wird. Mehr zu möglichen Gründen erläutern wir im Beitrag „Warum Botox nicht gewirkt hat oder der Effekt schnell verschwunden ist“.

Aus demselben Grund besteht keine Notwendigkeit, Botox, Dysport und Xeomin regelmäßig „zur Vorbeugung von Gewöhnung“ abzuwechseln. Eine solche Rotation ist an sich keine Methode zur Vermeidung von Resistenz. Wenn sich tatsächlich neutralisierende Antikörper gegen Botulinumtoxin Typ A gebildet haben, löst ein einfacher Wechsel der Handelsmarke das Problem nicht. Das Immunsystem reagiert auf das Neurotoxin selbst, nicht auf den Namen des Präparats auf der Durchstechflasche.

Die Situation „Botox wirkt nicht mehr — versuchen wir Dysport oder Xeomin“ beweist daher noch keine Resistenz. Zunächst muss geklärt werden, ob der Körper wirklich unempfindlich gegenüber dem Toxin geworden ist oder ob der schwache Effekt eine viel einfachere Ursache hat.

Welches Botulinumtoxin sollte man wählen?

Wenn ein bestimmtes Präparat bereits mehrfach verwendet wurde und das Ergebnis konstant zufriedenstellend war, gibt es in der Regel keinen Grund, es nur wegen eines anderen Handelsnamens zu wechseln. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen die Eigenschaften eines bestimmten Präparats die Wahl tatsächlich beeinflussen können.

Wenn die Wirkungsdauer die wichtigste Priorität ist, kann bei der Korrektur der Zornesfalte Daxxify besprochen werden, sofern es in Ihrem Land zugelassen und verfügbar ist. Für daxibotulinumtoxinA liegen klinische Daten zu einer längeren Erhaltung des Effekts nach einer einzelnen Behandlung vor, als man sie üblicherweise von klassischen Botulinumtoxin-Typ-A-Präparaten erwartet.

Wenn ein begründeter Verdacht auf sekundäre immunologische Resistenz besteht oder jemand über Jahre hinweg hohe wiederholte Botulinumtoxin-Dosen aus medizinischen Gründen erhält, gewinnen Zusammensetzung und Immunogenität des Präparats an Bedeutung. In einer solchen Situation kann die Besonderheit von Xeomin wichtig sein: incobotulinumtoxinA enthält keine komplexbildenden Proteine. Für gewöhnliche ästhetische Injektionen wird dieses Kriterium nur selten entscheidend.

Zu berücksichtigen sind auch die zugelassenen Indikationen. In den USA ist Xeomin beispielsweise zur Korrektur von Zornesfalten, horizontalen Stirnfalten und lateralen Kanthalfalten zugelassen, während bei Dysport, Jeuveau, Letybo und Daxxify Glabellafalten die ästhetische Indikation bleiben. Das ist für offizielle Protokolle relevant, schafft aber keine allgemeingültige Rangliste der Präparate.

Nicht weniger wichtig sind die legale Herkunft des Präparats, seine Zulassung in Ihrem Land und die Einhaltung der Lagerbedingungen. Beim Preisvergleich sollte man besser nicht auf den Preis einer einzelnen Einheit schauen, sondern auf die Gesamtkosten der Korrektur der gewünschten Zone: Die Einheiten verschiedener Präparate sind nicht austauschbar.

Die endgültige Wahl hängt auch davon ab, was genau korrigiert werden soll: Zornesfalten, horizontale Stirnlinien, „Krähenfüße“, die Position der Augenbrauen oder eine andere Zone. Wie Botulinumtoxin auf die Gesichtsmuskeln wirkt, was damit korrigiert werden kann und wo die Grenzen der Methode liegen, haben wir ausführlich im Beitrag „Botox für das Gesicht: Wie Botulinumtoxin wirkt, Möglichkeiten und Grenzen der Botulinumtoxin-Therapie“ erklärt.

In der Beratung ist es deshalb sinnvoller, nicht zu fragen „Welches Botox ist am stärksten?“, sondern welches Präparat genau für Ihre Fragestellung vorgeschlagen wird, warum es gewählt wurde und wie viel die vollständige Korrektur kosten wird.

Quellen

  1. U.S. Food and Drug Administration / DailyMed. BOTOX Cosmetic (onabotulinumtoxinA): Prescribing Information.
  2. U.S. Food and Drug Administration / DailyMed. DYSPORT (abobotulinumtoxinA): Prescribing Information.
  3. U.S. Food and Drug Administration / DailyMed. XEOMIN (incobotulinumtoxinA): Prescribing Information.
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