Ein kleiner Bluterguss oder Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle, asymmetrische Augenbrauen oder ein Augenlid, das sich nach einigen Tagen zu senken beginnt – das sind unterschiedliche Folgen einer Botulinumtoxin-Behandlung. Im ersten Fall handelt es sich um eine normale Gewebereaktion auf die Injektion. In den beiden anderen Fällen geht es um eine unerwünschte Veränderung der Muskelaktivität, die gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt beurteilt werden sollte. Die typischsten unerwünschten Effekte hängen mit einer zu starken Abschwächung des gewünschten Muskels oder mit einer Wirkung auf einen benachbarten Muskel zusammen. Dadurch können sich die Position der Augenbrauen oder Augenlider, die Gesichtssymmetrie, das Lächeln oder die Funktion der Muskeln rund um die Augen verändern.
Darüber, wie Botulinumtoxin wirkt, welche Falten damit korrigiert werden können und wo die Grenzen der Methode liegen, haben wir bereits ausführlich in einem separaten Beitrag berichtet.
Was nach Botox normal ist und was Aufmerksamkeit erfordert
Der Einstich in die Haut kann an sich leichte Schmerzen, Rötung, Schwellung oder einen Bluterguss verursachen. Solche lokalen Reaktionen sind bei Botulinumtoxin-Injektionen bekannt und klingen in der Regel allmählich ab. Eine andere Gruppe von Veränderungen hängt bereits mit der Wirkung des Präparats zusammen. Botulinumtoxin schwächt die Aktivität des ausgewählten Muskels – genau darauf beruht der Effekt der Behandlung. Ein Problem entsteht, wenn die Abschwächung stärker ausfällt als nötig, das gewohnte Muskelgleichgewicht verändert oder eine benachbarte Struktur betroffen ist.
| Was nach der Behandlung aufgetreten ist | Was es bedeuten kann | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Kleiner Bluterguss, Rötung oder Empfindlichkeit nahe der Einstichstelle | Gewebereaktion auf die Injektion | Beobachten: Die Symptome sollten allmählich nachlassen |
| Kopfschmerzen | Bekannte Nebenwirkung | Wenn die Schmerzen stark, ungewöhnlich oder anhaltend sind – die Ärztin oder den Arzt kontaktieren |
| Eine Augenbraue bewegt sich in den ersten Tagen vorübergehend aktiver oder steht höher als die andere | Die Wirkung des Präparats bildet sich noch aus, oder die Muskeln reagieren unterschiedlich schnell | Abwarten, bis sich die volle Wirkung entwickelt hat; bleibt die Asymmetrie bestehen, sollte sie mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden |
| Die Augenbrauen haben sich gesenkt, der Blick wirkt „schwerer“ | Mögliche übermäßige Abschwächung des Stirnmuskels | Die Ärztin oder den Arzt kontaktieren, die bzw. der die Behandlung durchgeführt hat |
| Der Rand des oberen Augenlids hat sich gesenkt | Mögliche Ptosis des Oberlids | Ärztlich abklären lassen |
| Trockenheit oder Reizung der Augen, Lichtempfindlichkeit | Mögliche Störung der normalen Funktion der Muskeln rund um das Auge | Wenn die Symptome anhalten – ärztlich abklären lassen |
| Doppelbilder oder eine deutliche Veränderung des Sehens | Unerwünschter augenärztlicher Effekt | Medizinische Abklärung nicht aufschieben |
| Probleme beim Sprechen, Schlucken oder Atmen, ausgeprägte allgemeine Muskelschwäche | Möglicher klinisch relevanter systemischer Effekt | Es ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich |
In den ersten Tagen nach der Behandlung bedeutet eine ungleichmäßige Mimik noch nicht zwangsläufig eine misslungene Korrektur. Die Wirkung von Botulinumtoxin nimmt schrittweise zu, und verschiedene Muskeln oder sogar einzelne Bereiche desselben Muskels können nicht ganz gleichzeitig reagieren. Deshalb kann sich eine Augenbraue vorübergehend aktiver bewegen, eine Stirnseite kann sich schneller glätten, und eine leichte Asymmetrie kann mit der Ausbildung der vollständigen Wirkung abnehmen. Sinnvoll ist es, das endgültige Gleichgewicht der Mimik erst zu beurteilen, nachdem sich die Wirkung des Präparats stabilisiert hat. Bleibt die Asymmetrie danach bestehen, wird sie bereits als mögliches unerwünschtes Ergebnis bewertet und es wird entschieden, ob eine Korrektur erforderlich ist.
Die Häufigkeit einzelner Reaktionen hängt vom Präparat, der Behandlungszone, der Dosis und dem Injektionsprotokoll ab. In klinischen Studien zu BOTOX Cosmetic wurde beispielsweise eine Ptosis des Oberlids nach Korrektur der Zornesfalte bei etwa 3% der Teilnehmenden dokumentiert. Bei gleichzeitiger Injektion in Stirn und Zornesfalte wurden Kopfschmerzen bei 9%, eine Lidptosis bei 2% und eine Brauenptosis bei 2% angegeben. Nach der Korrektur von „Krähenfüßen“ wurde eine Schwellung der Augenlider in etwa 1% der Fälle registriert. Diese Zahlen beziehen sich auf OnabotulinumtoxinA in konkreten Studienschemata: Die Einheiten verschiedener Botulinumtoxin-Präparate sind nicht austauschbar.
Lidptosis, „schwere Augenbrauen“ und Asymmetrie – worin liegt der Unterschied?
Nach einer Botulinumtoxin-Behandlung beschreiben Patientinnen und Patienten jede Veränderung im Augenbereich nicht selten mit den Worten „das Augenlid hängt“. Tatsächlich können dahinter unterschiedliche Situationen stehen.
Brauenptosis bedeutet, dass sich die Augenbraue selbst senkt. Der Stirnmuskel hebt die Augenbrauen an und hilft bei manchen Menschen dauerhaft dabei, sie in ihrer gewohnten Position zu halten. Wird er zu stark abgeschwächt oder verändert sich das Gleichgewicht zwischen den Muskeln, kann die Augenbraue nach unten wandern. Das Gewebe über dem oberen Augenlid wirkt dann ebenfalls schwerer, obwohl der Lidrand selbst an Ort und Stelle bleibt.
Eine Ptosis des oberen Augenlids sieht anders aus: Hier senkt sich tatsächlich der Lidrand. Nach Injektionen im oberen Gesichtsdrittel kann dies passieren, wenn sich die Wirkung des Botulinumtoxins auf den Muskel ausbreitet, der das obere Augenlid anhebt. Eine Ptosis ist häufig nur einseitig sichtbar und kann nicht sofort nach der Behandlung auftreten, sondern erst nach einigen Tagen, wenn die Wirkung des Präparats zunimmt.
Wenn nach Botox also „das Augenlid hängt“, muss zunächst geklärt werden, ob sich die Position des Augenlids selbst oder die der Augenbraue verändert hat. Äußerlich können diese Situationen ähnlich wirken, sie werden jedoch unterschiedlich korrigiert.
Eine Asymmetrie nach Botox kann sich durch eine unterschiedliche Höhe der Augenbrauen, eine ungleiche Beweglichkeit der Stirn oder eine stärkere Muskelkontraktion auf einer Seite zeigen. Manchmal hebt sich der äußere Anteil der Augenbraue unnatürlich stark an – dieser Effekt ist als Mephisto sign oder Spock brow bekannt.
Ein Gesicht ist schon vor der Behandlung selten vollkommen symmetrisch. Eine ursprünglich vorhandene Differenz in der Position der Augenbrauen, der Muskelkraft oder der Mimik kann nach einer Botulinumtoxin-Behandlung deutlicher sichtbar werden. In anderen Fällen hängt eine neue Asymmetrie tatsächlich mit einer unterschiedlich starken Wirkung rechts und links zusammen. Deshalb beurteilt die Ärztin oder der Arzt das Gesicht vor den Injektionen nicht nur in Ruhe, sondern auch bei aktiver Mimik.
Unerwünschte Veränderungen sind auch in anderen Zonen möglich. Eine übermäßige Abschwächung der Muskeln im Mundbereich kann das Lächeln oder die Lippenfunktion verändern, und nach Injektionen in die Kaumuskeln ist die Kaukraft manchmal vorübergehend vermindert. Bei Behandlungen im Halsbereich ist eine präzise Injektion besonders wichtig, da benachbarte Muskeln am Schlucken beteiligt sind.
Lässt sich misslungenes Botox korrigieren?
Für Botulinumtoxin gibt es kein Pendant zur Hyaluronidase, mit der sich ein Filler auf Hyaluronsäurebasis schnell auflösen lässt. Sobald Botulinumtoxin gewirkt hat, ist es nicht möglich, den Muskel sofort wieder in seine ursprüngliche Aktivität zurückzuversetzen. Seine Funktion stellt sich allmählich wieder her. Dennoch lassen sich einige unerwünschte ästhetische Ergebnisse korrigieren.
Bei einer leichten Asymmetrie kann die Ärztin oder der Arzt die Muskelaktivität manchmal mit einer zusätzlichen lokalen Injektion ausgleichen. In den ersten Tagen ist es jedoch zu früh, das Ergebnis zu beurteilen: Die Wirkung des Präparats nimmt schrittweise zu. Darüber, wann Botox zu wirken beginnt, wann das Ergebnis beurteilt wird und wie lange es in der Regel anhält, haben wir separat berichtet.
Bei einer echten Ptosis des oberen Augenlids kann die Ärztin oder der Arzt Augentropfen verschreiben, die vorübergehend helfen, das Lid etwas anzuheben. Dafür werden unter anderem Apraclonidin oder Oxymetazolin eingesetzt. Eine solche Behandlung hebt die Wirkung des Botulinumtoxins nicht auf, kann aber die Ausprägung der Ptosis während der Erholungsphase verringern. Bei einer abgesunkenen Augenbraue beseitigt dieser Ansatz die Ursache des Problems nicht, da sie mit dem Muskelgleichgewicht zusammenhängt, das die Position der Augenbraue bestimmt.
Es gibt keine zuverlässige Methode, das Nachlassen der Botulinumtoxin-Wirkung durch Massage, Sauna, Wärmebehandlungen oder apparative Heimanwendungen zu beschleunigen. Üblicherweise umfasst das Vorgehen Beobachtung, symptomatische Behandlung und bei Bedarf eine gezielte ärztliche Korrektur.
Wann nach Botox dringend Hilfe nötig ist
Eine asymmetrische Augenbraue oder eine zu unbewegliche Stirn kann eine Korrektur erfordern, ist aber in der Regel kein Notfall. Anders ist es bei Symptomen, die über den lokalen Effekt hinausgehen.
Die Fachinformationen von Botulinumtoxin-Präparaten weisen auf die Möglichkeit hin, dass sich die Wirkung über die Injektionszone hinaus ausbreitet. Zu den möglichen Symptomen gehören ausgeprägte allgemeine Muskelschwäche, Doppelbilder, Störungen beim Sprechen, Schlucken oder Atmen. Sie können Stunden oder sogar Wochen nach der Injektion auftreten. Bei Problemen mit Schlucken, Sprechen oder Atmen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
Bei den zugelassenen kosmetischen Dosen von BOTOX Cosmetic sind schwere Folgen einer Fernwirkung kein typisches Szenario. Dennoch ist es wichtig, Symptome, die darauf hinweisen könnten, nicht zu ignorieren.
Dringende Hilfe ist auch bei einer akuten Überempfindlichkeitsreaktion mit zunehmender Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge, Atemnot oder anderen Anzeichen einer Anaphylaxie erforderlich.
Nach Injektionen in Augennähe sollte auf anhaltende Trockenheit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen geachtet werden. Botulinumtoxin kann in dieser Zone das Blinzeln und den Schutz der Augenoberfläche beeinflussen; wenn die Symptome nicht abklingen, kann eine augenärztliche Untersuchung notwendig sein.
In den meisten Fällen bleiben unerwünschte Folgen einer ästhetischen Botulinumtoxin-Behandlung lokal begrenzt und lassen gemeinsam mit der Wirkung des Präparats allmählich nach. Wenn sich nach der Behandlung die Position der Augenbrauen oder Augenlider, das Lächeln oder die Muskelarbeit verändert haben, ist es am sinnvollsten, zunächst gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt die Ursache zu klären. Davon hängt ab, ob Beobachtung ausreicht oder ob das Ergebnis korrigiert werden kann.
Quellen
- BOTOX Cosmetic (onabotulinumtoxinA). Full Prescribing Information. AbbVie. Revised October 2024.
- Borba A, Matayoshi S, Rodrigues M. Avoiding Complications on the Upper Face Treatment With Botulinum Toxin: A Practical Guide. Aesthetic Plastic Surgery. 2022;46(1):385-394.
- Nestor MS, Han H, Gade A, et al. Botulinum toxin-induced blepharoptosis: Anatomy, etiology, prevention, and therapeutic options. Journal of Cosmetic Dermatology. 2021.
- Bernardini FP, Skippen B, Croasdell B, et al. Management of Severe Botulinum-Induced Eyelid Ptosis With Pretarsal Botulinum Toxin and Oxymetazoline Hydrochloride 0.1%. Aesthetic Surgery Journal. 2023;43(9):955-961.