In der Beratung klingt die Frage oft sehr einfach: „Mir wurden Radiesse und Sculptra vorgeschlagen. Was ist besser?“ Genau diese Formulierung führt jedoch häufig in die Irre. CaHA und PLLA werden zu den Kollagen-Biostimulatoren gezählt, sind aber nicht zwei Varianten derselben Behandlung. Sie haben eine unterschiedliche Materialstruktur, verhalten sich nach der Injektion unterschiedlich und erzeugen eine andere zeitliche Logik des Ergebnisses.

Das zeigt auch eine kleine vergleichende Studie mit fünf Frauen. PLLA wurde in die linke Hand injiziert, hyperverdünntes CaHA in die rechte. Nach der ersten Sitzung wirkte bei drei Teilnehmerinnen die CaHA-Seite besser. Am Ende der Behandlungsserie war bei zwei Teilnehmerinnen das Ergebnis mit PLLA ausgeprägter, eine allgemeine klinische Überlegenheit eines der beiden Materialien fanden die Forschenden jedoch nicht. Die Stichprobe war sehr klein, und untersucht wurden Hände, nicht Gesichter. Trotzdem veranschaulicht diese Studie das zentrale Problem des Vergleichs sehr gut: Die Schlussfolgerung hängt vom Gewebe, vom Protokoll, von der Anzahl der Behandlungen und vom Zeitpunkt der Bewertung ab.

Kurz gesagt: CaHA wird häufiger in Betracht gezogen, wenn eine frühe strukturelle Unterstützung einer bestimmten Region zusammen mit einer anschließenden Geweberemodellierung gewünscht ist. PLLA wird meist für eine schrittweise Korrektur gewählt, die in mehreren Etappen geplant und nicht unmittelbar nach der Injektion beurteilt wird. Die richtige Wahl beginnt nicht mit der Suche nach dem „stärkeren“ Präparat, sondern mit der Definition der konkreten anatomischen Aufgabe.

Warum lassen sich CaHA und PLLA nicht nur nach ihrer Wirkdauer vergleichen?

Der Begriff „Kollagen-Biostimulator“ kann den Eindruck erwecken, als sende das Präparat dem Gewebe lediglich ein nützliches Signal und der Körper erledige anschließend die gesamte Arbeit selbst. Tatsächlich injiziert die Ärztin oder der Arzt ein Material, das für eine gewisse Zeit physisch im Gewebe verbleibt und eine kontrollierte biologische Antwort auslöst. Daran beteiligt sind Entzündungszellen, Fibroblasten, die extrazelluläre Matrix und Prozesse des allmählichen Partikelabbaus.

Deshalb wird das Ergebnis nicht allein durch den Namen der Substanz bestimmt. Entscheidend sind Form und Größe der Partikel, die Zusammensetzung des Trägermaterials, die Konzentration, die Injektionsebene, die Art der Verteilung, der Zustand des Gewebes und die individuelle Reaktion der jeweiligen Person. Eine werbliche Angabe zur Haltbarkeit erklärt nicht, welches Material besser zu einer bestimmten Zone und zum erwarteten Ausmaß der Veränderung passt.

„Sowohl PLLA als auch CaHA zeigten signifikante Verbesserungen der Hautelastizität, eine Reduktion von Falten und eine Zunahme des Gesichtsvolumens.“

Systematische Übersichtsarbeit von Ferreira und Mitautorinnen und -autoren

Dieses Zitat bestätigt, dass beide Materialien klinisch sichtbare Effekte erzielen können. Es bedeutet jedoch nicht, dass sich CaHA und PLLA im Gewebe gleich verhalten oder in jedem Protokoll gegenseitig ersetzen können.

Worin unterscheiden sich die Materialien und die Gewebereaktion?

CaHA: Mikrosphären in einem Gelträger

In der US-amerikanischen Gebrauchsanweisung von RADIESSE wird das Präparat als synthetische Mikrosphären aus Calciumhydroxylapatit mit einer Größe von 25–45 µm beschrieben, die in einem kohäsiven Gel aus Wasser, Glycerin und Natrium-Carboxymethylcellulose suspendiert sind. Der Gelträger sorgt für einen frühen mechanischen Beitrag, sodass eine Veränderung bereits sichtbar sein kann, bevor die Remodellierungsprozesse vollständig einsetzen.

Unverdünntes, verdünntes und hyperverdünntes CaHA sollte man nicht als dieselbe Behandlung mit unterschiedlicher Wassermenge verstehen. Es verändern sich die Partikelkonzentration, die viskoelastischen Eigenschaften, die Art der Verteilung und das klinische Ziel. In einem Fall kann die Ärztin oder der Arzt eine lokale strukturelle Unterstützung anstreben, in einem anderen eine gleichmäßigere Verbesserung der Gewebequalität.

PLLA: Partikel, die als Suspension injiziert werden

Sculptra wird als lyophilisiertes Material mit Mikropartikeln aus Poly-L-Milchsäure, Natrium-Carboxymethylcellulose und Mannitol geliefert. Vor der Behandlung wird das Präparat mit sterilem Wasser rekonstituiert; Lidocain kann gemäß Gebrauchsanweisung hinzugefügt werden.

Die injizierte Flüssigkeit erzeugt zunächst eine Fülle, sie ist jedoch nicht das endgültige Ergebnis von PLLA. Das Wasser verteilt sich und wird resorbiert, danach entwickeln sich die sichtbaren Veränderungen schrittweise. Genau deshalb kann eine Person in den ersten Tagen einen deutlichen Effekt sehen, anschließend dessen Rückgang bemerken und fälschlicherweise annehmen, das Präparat habe „nicht gewirkt“.

Eine morphologische Untersuchung zeigte überwiegend gleichförmige, kugelige CaHA-CMC-Partikel und deutlich uneinheitlichere PLLA-Partikel hinsichtlich Form und Größe. Dieser Unterschied beweist keine Überlegenheit eines Präparats, bestätigt aber, dass es sich nicht um dasselbe Material in unterschiedlichen Verpackungen handelt.

Vergleichsschema der Gewebereaktion auf CaHA und PLLA
Schematische Darstellung: links kugelige CaHA-Mikrosphären in einem Gelträger, rechts unregelmäßige PLLA-Partikel in Suspension. Die Grafik zeigt den Aufbau der Materialien, nicht die Prognose des Ergebnisses.

Der Unterschied in der Struktur wäre lediglich ein labortechnisches Detail, wenn er nicht beeinflussen würde, was die Patientin oder der Patient nach der Behandlung sieht. Doch gerade die physikalische Form des Präparats bestimmt teilweise, warum das frühe Erscheinungsbild nach CaHA und PLLA unterschiedlich interpretiert werden muss.

Wie entwickelt sich das Ergebnis nach den einzelnen Präparaten?

Nach CaHA kann die anfängliche Veränderung durch den Gelträger und die mechanische Gewebeunterstützung sichtbar sein. Wie ausgeprägt dieser Beitrag ist, hängt von Konzentration, Volumen, Injektionsebene, Zone und Technik ab. Danach verändert sich der frühe Effekt, und die allmähliche Remodellierung tritt stärker in den Vordergrund.

Nach PLLA wird das erste Erscheinungsbild vor allem durch das Wasser zur Rekonstitution des Präparats, lokale Schwellung und die Injektionsreaktion selbst geprägt. Wenn diese Fülle zurückgeht, kann die normale Dynamik als Wirkverlust wahrgenommen werden. PLLA sollte nach einem vereinbarten Zeitplan für Kontrolltermine beurteilt werden – nicht anhand eines Fotos am Abend nach der Behandlung.

Kriterium CaHA PLLA
Form des Präparats Mikrosphären in einem kohäsiven Gelträger Lyophilisiertes Material, das zu einer Suspension rekonstituiert wird
Was das frühe Erscheinungsbild prägt Gelträger und mechanische Gewebeunterstützung Flüssigkeit, Schwellung und Injektionsreaktion
Entwicklung des Ergebnisses Ein früher Effekt kombiniert sich mit anschließender Remodellierung Veränderungen entstehen schrittweise nach Rückgang der anfänglichen Fülle
Typische Behandlungsaufgabe Lokale Unterstützung oder Verbesserung der Gewebequalität, je nach Protokoll Schrittweise Korrektur einer größeren Region
Planung Abhängig von Konzentration, Zone, Ebene und Technik Umfasst häufiger mehrere Etappen mit Zwischenbeurteilung

Genau hier entsteht einer der häufigsten Fehler: Die frühe Fülle nach PLLA wird für das zukünftige Ergebnis gehalten, und der frühe Effekt von CaHA für seine endgültige Wirkung. Die allgemeine Logik dieser Dynamik wird im Beitrag „Warum Ergebnisse in der Kosmetologie nicht linear sind: Wie sich der Effekt von Behandlungen mit der Zeit verändert“ erklärt.

Für welche Aufgaben kann die Ärztin oder der Arzt CaHA oder PLLA wählen?

Wann kann CaHA in Betracht kommen?

CaHA kann eine sinnvolle Wahl sein, wenn eine bestimmte Region unterstützt und zugleich eine schrittweise Geweberemodellierung angestoßen werden soll. In verdünnten und hyperverdünnten Protokollen kann sich der Schwerpunkt von lokaler Projektion hin zu Elastizität, Dichte und dem allgemeinen Erscheinungsbild der Haut verlagern.

Das bedeutet nicht, dass CaHA automatisch für jede Zone geeignet ist, in der man sich „mehr Dichte“ wünscht. Die Ärztin oder der Arzt muss die Dicke der bedeckenden Gewebe, die Beweglichkeit der Region, die Gefäßanatomie, frühere Injektionen und die Frage berücksichtigen, wie präzise eine strukturelle Veränderung tatsächlich erforderlich ist.

Wann kann PLLA in Betracht kommen?

PLLA wird häufiger mit Menschen besprochen, die zu einem verzögerten Ergebnis, mehreren Etappen und einer schrittweisen Korrektur bereit sind. Ein solcher Ansatz kann sinnvoll sein, wenn es nicht um einen einzelnen kleinen Punkt geht, sondern um eine breitere Veränderung von Gewebeunterstützung oder Gewebequalität.

PLLA entspricht weniger der Erwartung, nach einem einzigen Termin eine exakt vorgegebene lokale Form zu erhalten. Das Alter allein bestimmt die Wahl nicht: Wichtig sind Hautzustand, Gewebedicke, Verlust der Stützstrukturen, Lichtschäden, anatomische Proportionen und die bisherige Injektionsgeschichte.

Kurz für die Suche: CaHA wird häufiger für Aufgaben gewählt, bei denen frühe Unterstützung und eine kontrollierte Verteilung in einer bestimmten Zone wichtig sind. PLLA wird häufiger in Plänen zur schrittweisen Korrektur eingesetzt, bei denen das Ergebnis nach einer Serie von Etappen beurteilt wird. Die endgültige Entscheidung hängt vom Gewebe, vom Protokoll und vom zugelassenen Produkt ab.

Welche Grenzen der Evidenz und welche Risiken müssen berücksichtigt werden?

In der systematischen Übersichtsarbeit hielt der Effekt von PLLA in einem Teil der eingeschlossenen Studien bis zu 25 Monate an, während für CaHA häufig etwa 12–18 Monate beschrieben wurden. Diese Zahlen dürfen jedoch nicht als direkter Zweikampf der Präparate interpretiert werden. Die Studien unterschieden sich hinsichtlich der Produkte, Behandlungszonen, Anzahl der Sitzungen, Injektionstechniken, Bewertungskriterien und Beobachtungsdauer.

„Bis heute gibt es keine randomisierten kontrollierten Studien, die die Wirksamkeit von PLLA gegenüber CaHA-R zur Hautverjüngung im Gesicht und am Körper vergleichen.“

ClinicalTrials.gov, Eintrag NCT07202117

Die praktische Schlussfolgerung aus diesem Zitat ist einfach: Aussagen über eine allgemeine Überlegenheit eines Materials gegenüber dem anderen gehen den verfügbaren direkten Vergleichsdaten voraus.

Welche frühen Reaktionen sind möglich?

Nach beiden Behandlungen können Schmerzen, Rötung, Schwellung, Blutergüsse, Empfindlichkeit und vorübergehende Unebenheiten auftreten. Ein Teil dieser Erscheinungen hängt nicht nur mit dem Material zusammen, sondern auch mit dem Einstich, dem Flüssigkeitsvolumen, der Anzahl der Nadel- oder Kanülenpassagen und der Gewebetraumatisierung. Wie bei jeder transdermalen Injektion besteht ein Infektionsrisiko.

Warum ist Gefäßsicherheit wichtig?

Eine intravasale Injektion von Injektionsmaterial kann zu Okklusion, Ischämie, Nekrose oder embolischen Komplikationen führen. Die Bezeichnung „Biostimulator“ macht eine Behandlung nicht automatisch sicher. Entscheidend sind anatomische Kenntnisse, die Wahl der Injektionsebene, die Technik und die Bereitschaft, gefährliche Symptome sofort zu erkennen.

Warum können Papeln und Knötchen entstehen?

Für PLLA sind verzögert auftretende subkutane Papeln und Knötchen beschrieben, die nach Tagen oder Monaten erscheinen können. Auch für CaHA sind Knötchen, Verhärtungen, Migration und entzündliche Reaktionen bekannt. Eine zu oberflächliche Injektion oder die falsche Wahl der Zone erhöht das Risiko sichtbarer Unebenheiten.

„Die Sicherheit und Wirksamkeit von RADIESSE für die Anwendung an den Lippen wurde nicht nachgewiesen.“

FDA, Gebrauchsanweisung RADIESSE

Dieses Zitat bezieht sich auf die konkrete US-amerikanische Gebrauchsanweisung von RADIESSE und nicht auf alle CaHA-Produkte in jedem Land. Es zeigt jedoch ein allgemeineres Prinzip: Die Beliebtheit einer Off-Label-Anwendung ist nicht gleichbedeutend mit bestätigter Sicherheit.

CaHA und PLLA sind keine Filler auf Hyaluronsäurebasis. Hyaluronidase löst sie nicht so auf wie Hyaluronsäurepräparate; daher gibt es bei einem Fehler hinsichtlich Volumen, Zone oder Injektionsebene kein vergleichbar schnelles Korrekturszenario. Ausführlicher werden Möglichkeiten und Grenzen des Enzyms im Beitrag „Hyaluronidase in der ästhetischen Medizin: Wann sie nötig ist und warum man keine Angst davor haben sollte“ erklärt.

Wenn eine Person nicht mehr weiß, was ihr früher injiziert wurde, Verhärtungen, eine anhaltende Schwellung oder eine komplexe Injektionsgeschichte hat, kann eine Ultraschalldiagnostik zusätzliche Informationen liefern. Der Beitrag „Ultraschall vor Fillern: Wann er nötig ist und wie er die Sicherheit von Behandlungen erhöht“ erklärt, in welchen Situationen Bildgebung die Entscheidung tatsächlich verändert.

Wie wird die Entscheidung in der Beratung getroffen?

In einer guten Beratung wird der Patientin oder dem Patienten nicht einfach CaHA oder PLLA genannt. Es wird erklärt, welches Gewebe verändert werden soll, warum das gewählte Material zu dieser Aufgabe passt, wann mit dem Ergebnis zu rechnen ist und welche Grenzen der vorgeschlagene Plan hat.

  • Wie lautet der genaue Handelsname des Präparats, und ist es für diese Aufgabe zugelassen?
  • Welches anatomische oder gewebebezogene Problem soll die Behandlung lösen?
  • Warum wurde in diesem Fall genau CaHA oder genau PLLA gewählt?
  • Welche CaHA-Konzentration oder welches Rekonstitutionsschema für PLLA ist geplant?
  • Was wird in den ersten Tagen sichtbar sein, und wann lässt sich das Hauptergebnis realistisch beurteilen?
  • Wie viele Etappen können erforderlich sein, und nach welchen Kriterien wird die nächste geplant?
  • Beeinflussen frühere Filler, Biostimulatoren oder apparative Behandlungen den Plan?
  • Welche Symptome erfordern eine dringende Vorstellung, und wie geht die Klinik bei Komplikationen vor?

Die richtige Frage lautet nicht „Welcher Biostimulator ist besser?“, sondern: „Welches Material passt zu meiner gewebebezogenen Aufgabe, meiner Anatomie, meinem Zeitplan und dem für mich akzeptablen Risikoniveau?“ Wenn es in der Beratung keine klare Antwort auf diese Punkte gibt, sollte man ein Präparat nicht allein nach seinem Namen oder der versprochenen Haltbarkeit auswählen.